Presseinformation vom 29.05.2026
Innovation und Regulierung im Dialog
Im Rahmen des von Tyrolit neu ins Leben gerufenen Gesprächsformats "Tyrolit techtalk" diskutieren Experten aus Industrie und Wissenschaft die Herausforderungen, die sich aus der neuen Regulierung ergeben. Im Mittelpunkt stehen laserbeschichtete Bremsscheiben, die den Bremsabrieb so drastisch reduzieren, dass die neuen Feinstaub-Grenzwerte der Euro-7-Norm eingehalten werden können. Gleichzeitig stellen diese Beschichtungen hohe Anforderungen an die nachgelagerte Bearbeitung. Durch die hohe Energiedichte moderner Laserbeschichtungsverfahren verändern sich Materialeigenschaften und Schleifbarkeit deutlich. Klassische Bearbeitungsprozesse stoßen dadurch zunehmend an ihre Grenzen.
Bremsscheiben im Fokus: Euro 7 setzt neue Maßstäbe für Emissionsreduktion
Die Entwicklung neuer Beschichtungstechnologien für Bremsscheiben zeigt, wie eng technische Innovation und regulatorische Anforderungen miteinander verknüpft sind. Die Daumenschrauben für die Automobilindustrie werden enger gezogen - und das betrifft längst nicht mehr nur den Auspuff. Wie Dr.-Ing. Guido Hegener, Unternehmensberater im Bereich der Bremsscheibenfertigung und ehemaliger Geschäftsführer in der deutschen Werkzeugmaschinen-Industrie, erklärt: "Die Euro 7 ist zwar die Fortführung der Euro 6, bringt jedoch eine fundamentale Erweiterung mit sich: Es ist das erste Mal, dass in der Norm ein entsprechender Grenzwert für den Bremsabrieb gefordert wird – und zwar für Verbrennerfahrzeuge wie auch für Elektrofahrzeuge. Da E-Autos durch ihr hohes Batteriegewicht trotz Rekuperation beispielsweise für eine Notfallbremsung erhebliche mechanische Bremskräfte aufbringen müssen, sind auch für diese Fahrzeuge Grenzwerte definiert. Wer die neuen PM10-Grenzwerte einhalten will, muss das Bremssystem drastisch verbessern. Die Hartstoffbeschichtung der Bremsscheiben ist eine Möglichkeit, die von der EURO 7 geforderten Grenzwerte sicher einzuhalten. Zur Fertigung der innovativen Bremsscheiben setzen die Hersteller zumeist auf ein Hochgeschwindigkeits-Lasercladding und einen nachfolgenden Schleifprozess. Doch was im Labor- und Testbetrieb funktioniert, stellt die Produktion im industriellen Maßstab vor enorme Herausforderungen. Die Beschichtung muss nicht nur extremen mechanischen Belastungen standhalten, sondern auch im Linientakt wirtschaftlich herstellbar sein."
Dr. Karl Mayrhofer, Experte für Produktentwicklung bei Tyrolit beschreibt diesen technologischen Spagat und die intensive Entwicklungsarbeit der letzten Jahre: "Hinter uns liegt ein sehr langer Weg, denn der Gesamtprozess aus Beschichtung und Nachbearbeitung ist hochgradig komplex. Um die Technologie überhaupt für die automobile Massenfertigung wirtschaftlich und gesellschaftlich relevant zu machen, mussten wir die Produktivität massiv steigern. So hat sich die eingesetzte Laserleistung in den letzten fünf Jahren von anfänglich 6 kW auf mittlerweile 24 kW vervierfacht – und sogar 30 kW sind technisch im Bereich des Möglichen. Diese enorme Energieeinbringung verändert jedoch bei völlig gleicher chemischer Zusammensetzung der Hartauftragschicht deren Mikrogefüge und damit die Schleifbarkeit dramatisch. Werkzeuge, die gestern noch funktionierten, stoßen plötzlich an ihre Grenzen. Das Ganze war und ist ein ständig dynamischer Prozess: Jede Optimierung der Laserparameter zwingt uns dazu, auch die anschließende mechanische Bearbeitung zu überdenken."
Technologische Lösungen für die industrielle Umsetzung
Der Tyrolit techtalk macht deutlich, dass die neuen Anforderungen der Euro-7-Regulierung nicht nur neue Werkstoff- und Beschichtungslösungen erfordern, sondern auch angepasste Bearbeitungsschritte. Mit seinem Know-how im Bereich hochpräziser Schleiftechnologien unterstützt Tyrolit die Industrie dabei, hartstoffbeschichtete Bremsscheiben wirtschaftlich und prozesssicher zu bearbeiten. "Entscheidend ist, die gesamten Produktionsschritte zu verstehen – von der Beschichtung bis zum finalen Schliff. Nur wenn Werkzeug, Maschine und Prozessparameter exakt aufeinander abgestimmt sind, lässt sich eine stabile und wirtschaftliche Serienfertigung sicherstellen", betont Dr.-Ing. Sebastian Prinz vom Manufacturing Technology Institute (MTI) der RWTH Aachen.
Tyrolit verfolgt dabei einen systemischen Ansatz: Neben der Entwicklung leistungsfähiger Schleifwerkzeuge stehen Prozessstabilität, niedrige Schnittgeschwindigkeiten und maximale Steifigkeit im Fokus. Um die steigende Nachfrage aus der Automobilindustrie bedienen zu können, hat das Unternehmen gezielt seine Produktionskapazitäten für Diamant- und CBN-Schleifwerkzeuge zur Bearbeitung hartbeschichteter Bremsscheiben erweitert. Mit zusätzlichen 1.700 Quadratmetern High-Tech-Produktionsfläche stärkt Tyrolit insbesondere die Lieferfähigkeit für diese Anwendungen in der automobilen Großserie. "Unser Vorteil liegt in der Kombination aus Fertigungskompetenz und Nähe zum Kunden: Wir können schnell auf neue Anforderungen reagieren und gleichzeitig die Qualität und Reproduzierbarkeit speziell bei diesen neuartigen Schleifwerkzeugen sicherstellen", führt Mario Nairz aus¸ Werksleiter für Diamant- und CBN-Werkzeuge.
Tyrolit techtalk. Aus der Industrie. Für die Industrie.
Am Tyrolit techtalk nehmen Dr. Ing. Guido Hegener, Unternehmensberater im Bereich Bremsscheibenfertigung, Dr. Ing. Sebastian Prinz vom Manufacturing Technology Institute der RWTH Aachen, Mario Nairz, Werksleiter für Diamant- und CBN-Werkzeuge bei Tyrolit, sowie Dr. Karl Mayrhofer, Experte für Produktentwicklung bei Tyrolit, teil. Moderiert wird die Diskussionsrunde von Dipl.-Ing. Martin Zimmermann, Leiter Schulungsabteilung bei Tyrolit. Der vollständige Talk mit weiterführenden Einblicken in Zerspanungsmechanismen, Prozessauslegung und wirtschaftliche Serienfertigung ist hier abrufbar.
Tyrolit Gruppe
Die Tyrolit Gruppe ist einer der weltweit führenden Hersteller von Schleif- und Abrichtwerkzeugen sowie Systemanbieter für die Bauindustrie. Mit Wurzeln im Herzen der österreichischen Alpen verbindet Tyrolit die Stärken familiärer Werte mit einer globalen Vision und über einem Jahrhundert individueller Unternehmens- und Technologieerfahrung.
www.tyrolit.group